Schulentwicklungsplan zeigt dringenden Handlungsbedarf

P R E S S E M I T T E I L U N G

Am 28.06.2017 wurde durch die Verwaltung eine Aktualisierung des Schulentwicklungsplans im Schulausschuss vorgestellt. Zusammengefasst attestiert der SEP die schon lange durch die SPD angeprangerten Missstände an den Kerpener Schulen, die sich allerdings von Ortsteil zu Ortsteil sowie Primar- und Sekundar-Bereich stark unterscheiden.

Gemäß dem SEP ist die Einwohnerzahl der Kolpingstadt Kerpen in den letzten 20 Jahren um +5,6% gestiegen, was zum Landesschnitt NRW mit -0,2% signifikant abweicht. Alleine zwischen 2014 und 2015 gab es mit +2,0% die höchste Steigerungsrate in der Region.

Schülerentwicklung Primarstufe:

Die Prognose über die künftige Entwicklung der Schülerzahlen der Primarstufe geht von einer starken Tendenz nach oben aus. Für 2021/2022 wird insgesamt von 2.876 Schülern ausgegangen, im Vergleich zu 2015/2016 eine Steigerung von +13,6% (+283 Schüler). Davon entfallen allein +205 Schüler (+16,3%) auf die Stadtteile Sindorf und Horrem.

Für die Schulen in den beiden am stärksten betroffenen Stadtteilen sind dies enorme Herausforderungen durch die Entwicklung der Schülerzahlen 2015/2016 – 2021/2022:

Clemensschule Horrem: Von 308 Schüler auf 421 Schüler (12 Klassen auf 16 Klassen)
Mühlenfeldschule Sindorf: Von 373 Schüler auf 420 Schüler (15 Klassen auf 18 Klassen)
Ulrichschule Sindorf: Von 406 Schüler auf 456 Schüler (16 Klassen auf 20 Klassen)

Betreuungs-/Ganztags-Angebote:

Die Entwicklung der OGS-Angebote in NRW hat sich seit 2003 von 30 Ganztagsschulen auf über 2.700 Schulen rasant ausgebaut.  Die OGS ist ein wichtiger Ort zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf – insbesondere für Frauen – geworden. Die OGS ist ein Ort sozialen Lernens, welcher mittlerweile von 51% aller Kerpener Schüler in Anspruch genommen wird.

Im Raumprogramm des SEP werden 3 Raumkonzepte abgebildet, die sich nur in der Anzahl an Räumen für die OGS unterscheiden. Die große Lösung beinhaltet je Klassenzug  2 OGS-Räume, die kleine Lösung 1 OGS-Raum. Bei der aktuellen Inanspruchnahme von 51% – bei einem Zug bedeutet dies 4 Klassen – ist die große Lösung mit 2 OGS-Räumen das Minimum. Jedoch sind bei Sicht auf die Entwicklung der Inanspruchnahme selbst  2 OGS-Räume zu wenig für eine adäquate Betreuung der Kinder.

Es wäre fatal, die OGS-Kapazitäten nicht dem steigenden Bedarf bei den Eltern anzupassen. Die Folge wäre, dass Kinder abgelehnt würden und die Eltern, die eine Ganztagsbetreuung noch aus der Kindertagesstätte kennen, im Zweifel aufgrund fehlender Betreuung in der Grundschule ihren Beruf nicht mehr weiter ausüben können.

Raumbilanz Grundschulen:

Im gesamten Stadtgebiet fehlen momentan 17 Klassen-, Fach- und Ganztags-Räume sowie weitere 17 Gruppenräume. Durch die fehlenden sowie zu kleinen Räume im Bestand fehlen im Stadtgebiet insgesamt über 7.600 qm (-46,7%) Raumfläche (ohne Schulhof, Aula, Forum & Sportbereich).

Wesentlicher Treiber sind hierbei die Clemensschule in Horrem (5 Klassen-, Fach-, Ganztagsräume, 3 Gruppenräume, 1.267 qm)  sowie die beiden Sindorfer Grundschulen (17 Klassen-, Fach-, Ganztagsräume, 2 Gruppenräume, 3.300 qm).

Am Sindorfer Beispiel fehlen der Ulrichschule 9 Klassen-, Fach-, Ganztagsräume sowie 1.769 qm, der Mühlenfeldschule 8 Klassen-, Fach-, Ganztagsräume, 4 Gruppenräume und 1.769 qm. Bei einer Ist-Raumfläche von 3.760 qm und einer fehlenden Fläche gemäß SEP von 3.300 qm müssten beide Schulen sich demnach fast verdoppeln.

Neben den fehlenden und zu kleinen Räumen an beiden Schulen fehlen an der Mühlenfeldschule 0,8 Turnhalleneinheiten, an der Ulrichschule 1,0 Turnhalleneinheiten.

Beide Grundschulen müssten damit stark wachsen, die Ulrichschule würde langfristig 5-zügig, die Mühlenfeldschule langfristig 4,5-zügig und wären somit die mit Abstand größten Grundschulen im Stadtgebiet sowie im Kreis.

Was bedeutet eine solche Vergrößerung der Schulen für die Kinder? Stehen dann noch ausreichend Schulhof- und Pausenflächen zur Verfügung? Die Schulanfänger kommen aus der behüteten Kita mit einer überschaubaren Anzahl an Kindern und sollen auf eine Schule mit über 400 Kindern gehen? Welche pädagogischen Auswirkungen haben diese „Monsterschulen“?

Es gibt Bildungsforscher, die schlechte Leistungen deutscher Schüler bei internationalen Vergleichstests auf zu große Schulen schieben. Tenor solcher Aussagen ist: Eine Schule ist dann zu groß, wenn nicht mehr jeder Lehrer jeden Schüler mit Namen kennt. Schulen mit vier, fünf, sechs Parallelklassen eröffnen zwar die Möglichkeit mehr und unterschiedlichere/ vielfältigere Angebote zu machen, aber die dadurch verlorengehende persönliche Nähe führt zu Anonymisierung und Entfremdung, die soziale Kontrolle ist geringer. Wie viele Schüler darf eine Schule maximal haben, damit jeder jeden kennt? Wohl kaum mehr als 300.

Die SPD hat sich bereits in der Vergangenheit für eine dritte Grundschule in Sindorf stark gemacht. In der Vergangenheit konnte diese dritte Grundschule allerdings nicht durch den damaligen SEP legitimiert werden. Dies hat sich nun grundlegend geändert, da der aktuelle SEP die dritte Grundschule faktisch sogar einfordert.

Durch einen Antrag der SPD in der Schulausschusssitzung wird die Verwaltung nun die Kosten der Erweiterung der beiden Sindorfer Grundschulen mit den fehlenden Räumen sowie Turnhallen gegen die Kosten des Neubaus einer zweizügigen Grundschule im   Vogelruther Feld vergleichen. Wir benötigen hier Transparenz, ob die notwendigen Erweiterungen an den Grundschulen überhaupt machbar sind, was sie kosten und welche Auswirkungen diese Erweiterungen für den pädagogischen Betrieb haben. Dies muss gegen die Kosten sowie Vorteile eines kompletten Neubaus einer dritten Grundschule gestellt werden.

Sollten die Kosten nicht wesentlich voneinander abweichen, muss aus Sicht der SPD die dritte Grundschule schnellstmöglich gebaut werden. Wir erwarten die Ergebnisse der Analyse zeitnah nach den Sommerferien.

Mit Erstaunen haben wir in diesem Zusammenhang die Pressemitteilung der CDU registriert. Dort wird beschrieben, dass noch belastbare Fakten und Zahlen zu ermitteln seien, um dann irgendwann mögliche Chancen einer Planungsänderung anzugehen. Man möchte „sorgsame Beratung“ und nicht „einfach draufloshauen“.

Möglicherweise haben die Sindorfer Christdemokraten den Schulentwicklungsplan noch nicht in Gänze gelesen, möglicherweise möchte man das Thema im Bundestagswahljahr auch nicht angehen. Möglicherweise hat man auch die Entwicklung der Zahlen der vergangenen Jahre nicht mehr auf dem Schirm?

Fakt ist jedoch: Die Zahlen und Fakten wurden ermittelt und stehen im Schulentwicklungsplan. Das Raumdefizit an Sindorfer Schulen ist mehr als kritisch und wurde durch den SEP im Detail benannt. Es wäre fatal, nicht schnellstmöglich mit den notwendigen Erweiterungen bzw. dem Neubau der dritten Grundschule zu beginnen. Oder meint die CDU etwa, durch weiteres Zeitverschwenden wäre unseren Kindern geholfen?

Wenn die CDU-Sindorf dann noch davon spricht, dass für das kommende Schuljahr der Raumbedarf durch die aufgrund eines SPD-Antrags aufgestellten Container gedeckt sei, kann man nur noch den Kopf schütteln. Die Ulrichschule wird durch den, vermutlich im Oktober fertiggestellten Anbau, auf eine 4-zügige Schule ausgebaut. Im Schuljahr 2016/2017 gab es allerdings bereits 6 Eingangsklassen, im Schuljahr 2017/2018 werden es 5 Eingangsklassen sein. Hier helfen auch die beiden Container nicht, den Fehlbedarf alleine in den nächsten 4 Jahren vollumfänglich aufzufangen.

Kernergebnisse des SEP zu Grundschulen:

In den Grundschulen der Kolpingstadt Kerpen insgesamt geht die Zahl der Schüler (2005/06: 2.917, 2016/17: 2.524 und 2022/23: 2.867) in den nächsten 10 Jahren nicht mehr zurück. (vgl. hierzu das Kapitel 3, das die Entwicklung der Einzelschulen bis zum Schuljahr 1995/96 zurückverfolgt)

Jedoch werden weder die innerstädtischen Schulen (d.h. Kerpen-Mitte: Evangelische Grundschule, Theodor-Heuss-Schule, Albertus-Magnus-Schule) noch die im Süd-Westen (d.h. Blatzheim, Brüggen, Buir, Türnich) ihre Zahlen insgesamt stark steigern.
Dies sind insbesondere die Grundschulen in den Stadtteilen Horrem und Sindorf (vgl. das Kapitel 7).

Vor allem in diesen Stadteilen sind die Angaben zu den zukünftigen Wohneinheiten gegenüber den bisherigen Schulplänen deutlich erhöht angegeben worden – mit den entsprechenden Effekten für die Raumvorhaltung. Der entscheidende Hintergrund für den ‘Bebauungsschub’ ist die Nachfrage nach Wohnraum ‘zwischen Aachen und Köln’ und der bewusste Umgang mit diesen Trends: Entwickeln von Baugebieten. Diesen Trend hat die SPD bei jeder Diskussion immer angemerkt.

So werden über die neuen Angaben zu den geplanten Wohneinheiten, über die ständig ansteigende Versorgung von Kindern im Ganztagsbereich sowie moderne pädagogische Arbeitsformen in den Grundschulen der Kolpingstadt Kerpen markante Anpassungsschritte notwendig – außer es ließen sich Räume für den Ganztag aus dem Bestand akquirieren, was teuren Zubauten sowie der Investition in neue Flächen vorzuziehen wäre. Im Norden der Stadt fehlen den Schulen künftig jedoch schlichtweg Klassenräume

Bei der Reihenfolge der zu wählenden Projekte könnte die Situation der Grundschulen drängender als die der weiterführenden Schulen sein.
Außerdem hat biregio bei den Begehungen der Schulen den Eindruck gewonnen, dass sich viele Schulen nicht in einem wünschenswerten Zustand befinden und mehrere weiterführende Schulen drängende Bedarfe haben – darunter eine weiterführende (!) Schule mit deren Lernzielen und den entsprechenden Abschlüssen, die nur noch mit rudimentär vorhandenen oder ganz gesperrten naturwissenschaftlichen Fachräumen arbeiten kann.

Der Schwerpunkt der Überlegungen sollte es angesichts der Entwicklung der Schülerzahlen künftig sein, die Grundschulfähigkeit (also die Klassenfähigkeit; jede zusätzlich zu bildende Klasse braucht rechtzeitig ihren Klassenraum und ausreichend Ganztags- und Mehrzweckräume) zu erhalten. Dies ist so rechtzeitig vorzubereiten, dass die Reaktionen des Schulträgers zeitgerecht erfolgen.

Da die ‘Klassenfähigkeit’ der Grundschulen elementar für die Kinder in der Kolpingstadt Kerpen ist, sind die Grundschulen sicher in der ersten Priorität der Maßnahmen zu sehen.

Andreas Lipp
Fraktionsvorsitzender

Torsten Bielan
Schulausschussvorsitzender

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3 Gedanken zu „Schulentwicklungsplan zeigt dringenden Handlungsbedarf

  1. Die dritte Grundschule könnte schon mindestens beschlosssen sein, wenn die
    SPD das UWG Bürgerbegehren unterstützt
    Hätte. Jetzt zu behaupten man habe sich schon immer
    Für die dritte Grundschule stark gemacht ist abenteuerlich.

  2. Hallo Herr Scharping,
    die SPD Sindorf hat sich schon immer für die dritte Grundschule in Sindorf stark gemacht. Die quantitative Prognose der Schülerzahlen im letzten SEP gab allerdings keine dritte Schule her. Schlussendlich ist die dritte Grundschule auch kein Selbstzweck.
    Ziel muss es sein, die besten Voraussetzungen für unsere Kinder zu schaffen, an allen Kerpener Schulen.
    Abenteuerlich ist es, populistisch ohne Betrachtung und Berücksichtigung der Fakten etwas zu fordern.
    Auf Basis des aktuellen SEP gibt es jetzt klare sachliche Gründe, die eine dritte Grundschule begründen.

  3. Lieber Herr Scharping. Das ist leider nicht richtig. Selbst mit unseren Stimmen hätte es nicht ausgereicht, das Bürgerbegehren zu beschließen. Sie als Ratsmitglied sollten dies am besten wissen. Die SPD hat sich immer gegen die prognostizierten Zahlen der Schulentwicklungspläne gestellt, solange diese von der Verwaltung selbst zusammengetragen wurden und gerade in Sindorf hat die SPD jedes Jahr aufs neue die dritte Grundschule thematisiert, übrigens als einzige politische Kraft (auch die UWG hat damals geschwiegen, warum eigentlich?). Die nachträgliche Betrachtung hat unsere eigenen Prognosen zu steigenden Schülerzahlen immer bestätigt. Jetzt liegt ein detaillierter Schulentwicklungsplan von einer externen Firma vor, die den Bedarf genau beziffert und die Realität der vergangenen Jahre auch würdigt. Und natürlich ist es dann richtig, eine Erweiterung der Ulrichschule versus einer neuen Grundschule zu fahren, wobei sich die SPD ziemlich sicher ist, dass sich eine dritte Grundschule eher rechnen wird und pädagogisch mehr Sinn macht, als eine zu groß geratene und vollgebaute Grundschule. Freundliche Grüße Andreas Lipp

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