20.04.2017

Herrn Bürgermeister

Dieter Spürck

– im Hause –

Antrag zur Änderung der Tagesordnung des Haupt- und Finanzausschusses am 25.04.2017 – Hier: DRS-Nr. 161.17 „Kündigung einer Mietfläche und Nutzung des Hauses für Kunst und Geschichte“

 Sehr geehrter Herr Bürgermeister,

unter TOP 17 im nichtöffentlichen Teil der Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses der Kolpingstadt Kerpen am 25.04.2017 soll die teilweise Änderung der Nutzung des „Hauses für Kunst und Geschichte“ beraten und beschlossen werden.

Wir beantragen, dass dieser Tagesordnungspunkt in den öffentlichen Teil der Sitzung gezogen wird. Ist dies aufgrund von Details in der Vorlage nicht möglich, so beantragen wir, die Vorlage in 2 Teile aufzuteilen, so dass zumindest die beabsichtigte Nutzungsänderung öffentlich vorgestellt und diskutiert werden kann.

Begründung:

Die beabsichtigte Nutzungsänderung durch die von Ihnen anvisierte Unterbringung des Standesamtes neben dem Stadtarchiv im Haus für Kunst und Geschichte wurde bisher nicht öffentlich diskutiert. Es darf die Frage gestellt werden: Warum eigentlich nicht?

Diese Vorgehensweise erachten wir als höchst intransparent.

Sie wurde lediglich in der Fraktionsvorsitzendenkonferenz am 02.03.2017 thematisiert, in welcher bereits dort die SPD sich gegen diese Pläne ausgesprochen hat, ebenso wie Vertreter der CDU-Fraktion. Weiter ist festzuhalten, dass auch bereits dort von Seiten der Verwaltung selbst eine Alternative zur Unterbringung des Standesamtes nebst Trauzimmer angemerkt wurde. Auch hierüber wurde nicht weiter diskutiert. Warum eigentlich nicht? Nun soll darüber im nichtöffentlichen Teil beschlossen werden.

Dieses Haus hat in umfassender Weise wichtige Aufgaben zu erfüllen, die gerade in der heutigen Zeit, wo wieder die Rufe von Rechtspopulisten und Befürwortern von totalitären Systemen lauter werden, umso wichtiger sind. Die Geschichte ist der mahnende Zeigefinger, der uns in solchen Zeiten an die Fehlentscheidungen der Vergangenheit und deren katastrophalen Auswirkungen erinnern muss. In der Vorlage wird von der Verwaltung selbst darauf hingewiesen, dass die Ausstellungsflächen erheblich reduziert werden müssten. Somit ist das bildungspädagogische Konzept in Zusammenarbeit mit den Schülern diverser Schulen wie bisher nicht mehr möglich! Hier können Jugendliche bisher Historie zum Anfassen lernen, nicht nur aus trockenen Geschichtsbüchern. Themen wie Weltkriege, Geschichte der Preußen, Kolping, Zwangsarbeiter, jüdisches Leben in Kerpen, Nationalsozialismus, Umsiedlungen sind ja nur einige Beispiele.

Auch bei der trockenen und notwendigen Betrachtung von Raumsituationen in einem Haushaltssicherungskonzept muss berücksichtigt werden, dass wir hier eine grundsätzliche Aussage zum Wert der Geschichte – und damit der Zukunft – und natürlich auch der Kunst in unserer Heimatstadt tätigen.

Man kann die Wichtigkeit der Kenntnis der Vergangenheit auch mit Theodor Heuss unterstreichen, der gesagt hat: „Nur wer weiß, woher er kommt, weiß, wohin er geht.“

Mit freundlichen Grüßen

Andreas Lipp

Fraktionsvorsitzender

 

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