ÖPNV-Anbindung der Kerpener Stadtteile an umliegende 4-Jahreszeitenbäder
Anfrage gem. § 18 der Geschäftsordnung für den Ausschuss für Stadtplanung, Verkehr und Umwelt am 16.06.2026
Sehr geehrter Herr Bürgermeister,
die andauernde Schließung sowie die unsichere Zukunft der Erftlagune stellen die Bürgerinnen und Bürger der Kolpingstadt Kerpen vor erhebliche Probleme. Familien, Seniorinnen und Senioren, aber auch Kinder und Jugendliche ohne eigenes Kraftfahrzeug sind auf eine zumutbare Erreichbarkeit von Schwimmbädern angewiesen, um die Schwimmfähigkeit zu erhalten und Freizeitangebote nutzen zu können.
Sollte Kerpen perspektivisch kein eigenes 4-Jahreszeitenbad mehr betreiben, rücken die Bäder der Nachbarkommunen zwingend in den Fokus der städtischen Daseinsvorsorge. Ein bloßer Verweis auf diese Bäder reicht jedoch nicht aus – sie müssten auch mit dem Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) realistisch und regelmäßig erreichbar sein.
Um in den politischen Gremien eine fundierte Abwägung zwischen den Kosten eines eigenen Bades und den Kosten einer echten Ausgleichsinfrastruktur treffen zu können, bittet die SPD-Fraktion die Verwaltung um die Prüfung und Beantwortung folgender Fragen:
1. Benötigte Streckenerweiterungen und Kilometerbedarf
Welche bestehenden Buslinien müssten aus den jeweiligen Kerpener Stadtteilen konkret verlängert oder umgeleitet werden, um eine direkte Anbindung an das jeweils nächstgelegene 4-Jahreszeitenbad im Umland zu gewährleisten?
Wir bitten hierbei um eine detaillierte Matrix, die aufzeigt, um wie viele Linienkilometer die jeweiligen Strecken wachsen müssten. Die Betrachtung soll alle Stadtteile umfassen, zu dem jeweils besterreichbaren 4 Jahreszeitenbad. Beispielsweise:
- Aus Horrem: Anbindung an das Freizeitbad „Fresh Open“ in Frechen.
- Aus Türnich / Balkhausen / Brüggen: Anbindung an das Hallenbad Liblar in Erftstadt.
- Aus Buir: Anbindung an das 4-Jahreszeitenbad (z. B. Rurbad) in Düren. Hierbei ist auch eine Kombination aus ÖPNV und S-Bahn/Regionalbahn zu prüfen.
2. Sicherstellung einer halbstündigen Taktung
Um eine echte Alternative zu sein, muss das Angebot flexibel nutzbar sein. Welche operativen Maßnahmen (Fahrzeugeinsatz, Taktverdichtung) sind nötig, um auf den unter Punkt 1 ermittelten Strecken eine mindestens halbstündige Taktung zu den regulären Öffnungszeiten der Schwimmbäder (inklusive Wochenenden) sicherzustellen?
3. Detaillierte Kostenkalkulation
Auf welche Summe belaufen sich die geschätzten jährlichen Mehrkosten für diese notwendigen ÖPNV-Erweiterungen? Wir bitten um eine Aufschlüsselung nach:
- Reinen Betriebskosten für die zusätzlichen Streckenkilometer (auf Basis der aktuellen REVG-Kilometersätze).
- Zusätzlichen Personalkosten für die Verkehrsbetriebe.
- Kosten für die Ausweitung der Taktung an Wochenenden und in den Abendstunden.
Begründung:
Eine ehrliche Debatte über die Zukunft der Kerpener Bäderlandschaft erfordert, dass alle Kosten der Alternativen transparent auf dem Tisch liegen. Sollte eine politische Mehrheit den Betrieb eines eigenen Bades aus Kostengründen ablehnen, muss den Bürgerinnen und Bürgern eine logistische Alternative geboten werden.
Oder man muss klar machen, dass man Alternativen im Umland nur für Menschen sieht, die über die Ressourcen verfügen diese zu erreichen, bzw. ihre Kinder erreichbar zu machen.
Mit freundlichen Grüßen
Andreas Nagel
stv. Fraktionsvorsitzender

